Catherine Gfeller
Processions croisées
Zum ersten Mal hat die Stiftung der Abbatiale Bellelay für ihre traditionelle Jahresausstellung einen Wettbewerb ausgeschrieben. Dies mit dem Ziel, dass Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeit erhalten, Ausstellungsprojekte einzureichen, die einen schlüssigen Dialog mit der barocken Architektur des Raumes eingehen. Die Preisträgerin 2010 heisst Catherine Gfeller (*1966, Neuenburg, lebt und arbeitet in Paris), deren Ausstellungsprojekt mit dem Titel Processions croisées das Profane mit dem Sakralen, die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft und als echter Parcours entlang an Videos, Fotografien und Installationen durch die Abtei angelegt sein wird.
Catherine Gfeller ist insbesondere für ihre Fotografien und Videos bekannt, die Menschenmengen in städtischen Umgebungen zeigen. Sie hat eine Affinität für den urbanen Raum, seine Menschen und deren Wanderungen und registriert ihr eigenes Flanieren und erfasst das der Passanten. Anschliessend überlagert sie die verschiedenen Bilder in Form eines Palimpsests, die den Effekt der Bewegung, des Flusses und der Menge verstärken und die wie ein Heraufbeschwören des Unbewussten funktionieren.
Für ihre Ausstellung in der Abbatiale Bellelay hat Catherine Gfeller den Fokus auf eine besondere Menschenansammlung gelegt: die der Jungfrauenprozessionen während der Karwoche in Sevilla. Processions croisées nennt sie ihre Installation und spielt damit sowohl auf das Profane wie auf das Sakrale dieses Ereignisses an. Die Kostüme der Jungfrauen tauchen auf neben den Alltagskleidern der Passanten, deren staunende Blicke sich wiederum mit ihren Antlitzen voller Pathos kreuzen. Porzellankörper streifen sinnlich die lebendigen Körper. Und die Nacht verschwindet im Lichterglanz der Kerzen und der Stadtbeleuchtung. Die urbanen und heiligen, die traditionellen und zeitgenössischen Rituale verschwimmen, tauschen sich aus wie flüchtige Blicke.
Die Künstlerin legt ihre Ausstellung wie einen echten Parcours an und lädt den Besucher zur seltsam fesselnden Prozession ein. Nach einer rhythmischen Strecke entlang von Videos, Fotografien und Toninstallationen, entdeckt der Besucher im Chor der Klosterkirche, Jungfrauen-Figuren mit Kostümen und reich verzierten Kronen, die zu diesem speziellen Anlass mit Unterstützung der KostümbildnerInnen Janick Nardin, Le Locle, Marie Delphin, Théâtre des 13 vents, Montpellier, angefertigt wurden.
Caroline Nicod, Kuratorin der Ausstellung


